Fischerhäuser Vorstadt

Fischerhäuser Vorstadt

Projekt Fischerhäuser-Vorstadt

  • April 2024 Beginn der Bebauung in der Fischerhäuser-Vorstadt: Was den Verantwortlichen der Stadt unsere Geschichte und das Engagement seiner Bürger am Ende tatsächlich wert ist

Die Freude war groß, als am 26. November 2023 die neue Chronik der Stadt Überlingen vorgestellt wurde. Voller Stolz präsentierte OB Zeitler das 3,6kg und 704 Seiten starke Werk über die glanzvolle Stadtgeschichte Überlingens.

Die Erhaltung unserer Geschichte haben wir Überlinger in großen Maßen Victor Mezger (dem Älteren 1866 - 1936) sowie dessen Sohn Victor Mezger (dem Jüngeren 1895–1989) zu verdanken.

Beide betrieben ab dem Jahre 1897 eine bedeutende Kunstwerkstätte in der Fischerhäuser-Vorstadt und waren mehrere Jahrzehnte lang einer der größten Arbeitgeber Überlingens.

Ohne ihr vorausschauendes Wirken (z.B. Münstersanierung, Einrichtung Museum, Tätigkeit als Stadtarchivar) würden der jüngst vorgestellten Chronik einige wichtige Kapitel fehlen.

Beide waren auch sehr engagiert im Erhalt und in der Erneuerung der Überlinger Brauchtümer. So ist die jetzige Erscheinung und gesellschaftliche Verankerung des Trachtenbundes und der Schwerttanz-Kompanie oder der heutige Ablauf der Überlinger Fasnet auf Ihre Initiative und Engagement zurückzuführen.

Besonders stolz waren beide auf ihren pittoresken Skulpturen-Garten, der vom Hof bis in den Felsen hinaufreicht. Aufgrund der Einzigartigkeit und der kulturhistorischen Bedeutung wurde das gesamte Anwesen und insbesondere dieser Garten im Jahre 2007 unter Denkmalschutz gestellt.

In den letzten Jahren verwahrloste das Gartengrundstück und die denkmalgeschützten Skulpturen im oberen Bereich des Gartens wurden entfernt.

Anfang 2007 wollten die Mezger-Erben das Gartengrundstück mit zwei Zwei-Familienhäuser (Firsthöhe 11,15m) bebauen, was aber insbesondere auf Grund der Bedenken der CDU-Fraktion (zu massiv / zu viel Kubatur / keine geeignete Erschließung) abgelehnt wurde. Gleichzeitig forderte der Gemeinderat einen B-Plan auf der Basis des Städtebaulichen Rahmenplanes von 2019.

Am 15. Oktober 2014 beschloss der Gemeinderat unter OB Sabine Becker (ehemals: CDU / aktuell: Die Grünen) den vereinfachten Sanierungsplan Altstadt West II. Der §144, der dem Gemeinderat eine Zustimmung oder Ablehnung bei baulichen Veränderungen ermöglicht hätte, so wie es beim Bauantrag der Mezger-Erben von 2007 noch möglich war, wurde in diesem Sanierungsplan explizit ausgeschlossen.

Anfang Mai 2024 werden nun die Bagger im Auftrag der Fa. Fliegauf (Freiburg) anrollen, um in diesem Gartengrundstück und auf dem benachbarten Grundstück die Baugrube für den Bau von zwei genehmigten Wohnblöcken mit drei Vollgeschossen mit einer gemeinsamen Tiefgarage auszuheben.

Die Tiefgarage wird etwa 2m über das jetzige Hofniveau emporragen und auf der Decke der Tiefgarage wird im Bereich des Hauses 1 (im Mezger-Garten) zusätzlich eine 1m hohe Schicht an Füllmaterial aufgebracht, ehe die Bodenplatte des Gebäudes beginnt. Somit erreicht das Gebäude eine neue Firsthöhe von 15,5m (jetziges Bestandsgebäude 9,5m).

Dass diese Maßnahmen nicht dem Einfügen nach §34ff noch der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum dienlich sind und eher auf eine bessere Immobilienvermarktung zielen, versteht jeder Laie.

In der Vorortbesichtigung des Verwaltungsgericht Sigmaringen am 15. Mai 2023 hat die Baurechtsbehörde durch Herrn Lorenz dem Gericht erklärt, dass die Referenz für die Firsthöhe das Gebäude Gartenstraße 9 ist. Dieses Gebäude liegt aber auf einem 4,5m höheren Niveau und hat eine Firsthöhe von 8,5m. Obwohl hier unübersehbar „Äpfel mit Birnen“ verglichen werden, hat der anwesende Richter Thüry dem nicht widersprochen.

Beide Gebäude verfügen über 3 Vollgeschosse mit darüberliegenden Aufenthaltsräumen. Für diese Aufenthaltsräume im 2. Dachgeschoss sind keine 2. Rettungswege vorgesehen.

Zur fehlenden rettungstechnischen Zufahrt äußerte sich Richter Thüry sinngemäß, dass eben im Einsatzfall die Stellplätze auf dem Nachbargrundstück (Gartenstraße 9) überfahren werden und die dabei entstehenden Schäden an den dort abgestellten Fahrzeugen Sache der Versicherungen seien.

Dass so gravierende genehmigungsrechtliche Fehler auf diese Weise vom Verwaltungsgericht legitimiert werden, war für alle Beteiligten fragwürdig und entspricht nicht dem landläufigen Demokratieverständnis vieler Mitbürger.

Aus diesem Grunde sind beim übergeordneten Verwaltungsgericht Mannheim noch zwei Berufungsverfahren der betroffenen Nachbarn anhängig.

Im Zuge der öffentlichen Diskussion um dieses Bauvorhaben beantragte Gemeinderätin Bernadette Siemensmeyer (LBU / Die Grünen) Ende 2017 die Einbeziehung eines mobilen Gestaltungsbeirates und am 30.11.2018 die Erstellung eines Bebauungsplanes. Als die Stadtplanung den Entwurf dazu am 21.01.2019 im Bauausschuss präsentierte, wurde von Herbert Dreiseitl (LBU / Die Grünen) dieser treffenderweise als B-Plan „Schättlisberg 2.0“ tituliert.

Obwohl von den Nachbarn im Rahmen des vom Land Baden-Württemberg geförderten Dialogprogrammes „Nachbarschaftsgespräche“ und im Zuge mehrere öffentlicher Veranstaltungen, sehr gute Impulse für nachhaltiges Bauen und Wohnen vorgetragen wurden, sondern auch insgesamt 60 Einwendungen gegen diese Form des B-Planes eingereicht wurden, wurde der B-Plan mit marginalen Modifikationen -bei einer Enthaltung- am 28.09.2022 vom Gemeinderat einstimmig beschlossen.

Nur Bernadette Siemensmeyer (LBU / Die Grünen) hat sich enthalten, alle anderen Gemeinderäte stimmten der Legitimation der baurechtlichen Tricksereien der Bauinvestoren und der Teilenteignung (fast keine Erweiterungsmöglichkeiten) der ortsansässigen Grundstückseigentümer zu.

Dabei bemerkenswert, die zwei Gemeinderäte Kristin Müller-Hausser und Dirk Diestel, hatten vor diesem Sitzungspunkt ihre Tätigkeit als Gemeinderäte niedergelegt und das ihnen entgegengebrachte Vertrauen der Nachbarschaft Fischerhäuser-Vorstadt gänzlich enttäuscht.

Bleibt abzuwarten, welche nachträglichen Änderungsplanungen während der Bauphase dieser „Garten-Villen“ durch die Fa. Fliegauf (Freiburg) noch eingereicht werden, um die Vermarktungsrendite des Vorhabens weiter zu optimieren.

Rückblick:

  • Bebauung des Flurstückes 363/1 (Spielplatz Kinderkreis) ist nicht Bestandteil des B-Plan-Entwurfes, d.h. die zukünftig mögliche Bebauung richtet sich z.B. nach der Kubatur des Kaufhauses Müller
  • Das ISEK und die Altstadtsatzung sehen in diesem Bereich 2 Vollgeschosse vor, geplant sind jetzt jedoch eine Bebauung mit 3 Vollgeschossen, d.h. die geplanten Gebäude passen sich nicht an die Umgebung des traditionell gewachsenen Quartiers an
  • Das genehmigte Bauvorhaben schafft den Präzedenzfall für die mögliche Bebauung im gesamten Quartier, da es die vorhandene Bebauung massiv überragt
  • Schaffung von zusätzlichen Verkehrsproblemen durch erhöhten Anwohnerverkehr
  • Erforderliche Rettungswege sind nicht vorhanden
  • Mögliche Anbindung des Quartiers an eine umweltfreundliche Energie-Versorgung wird nicht verfolgt.
  • Einwände der Nachbarschaft werden ignoriert und die Zerstörung einer gewachsenen Struktur wird in Kauf genommen

Den aktuellen Stand zum B-Plan-Entwurf vom 17.06.2020 fassen wir wie folgt zusammen:

Die Bebauung des Flurstückes 363/1 (Spielplatz Kinderkreis) ist nicht Bestandteil des B-Plan-Entwurfes. Die zukünftige Bebauung dort ist nach §34 geregelt. Somit ist eine Bebauung möglich, deren Höhe dem benachbarten Gebäude Grabenstraße 18 (Flurstück 360 / FH 423müN) und deren Kubatur dem gegenüberliegenden Müller-Kaufhaus (Christophstraße 2 / Flurstück 473/1) entspricht.

Die genehmigte Bebauung Gartenstraße 5 -7 verfügt über 3 Vollgeschosse. Die planerischen Grundzüge des nun vorliegenden B-Plan-Entwurfes sehen eine Bauweise mit 2 Vollgeschossen vor. Der B-Plan-Entwurf folgt lediglich in diesem Punkt den planerischen Grundzügen der Städtebaulichen Rahmenplanung (1998), ISEK (2017) und der aktuell gültigen Altstadtsatzung (2017). Die genehmigten Gebäude G-Straße 5 -7 fügen sich keineswegs in die nähere Umgebung ein.

Die genehmigten Neubauten überragen das benachbarte Gebäude Gartenstraße 9 um 0,6 bzw. 2,1m, obwohl beide neuen Gebäude auf einem um 5m tieferen Höhenniveau errichtet werden sollen. Die genehmigten Gebäude haben somit Präzedenz-Wirkung, wodurch die Höhenentwicklung des B-Plan-Entwurfes diesen maßstabsgebenden Bauten folgt.

Die genehmigte Ausführung der Fassaden mit vollflächigen Glasflächen und Dachaufbauten mit Gaupen, die mehr als 2/3 der Dachlänge betragen, widersprechen gänzlich den Vorgaben der Altstadtsatzung. Von der Überlinger Baurechtsbehörde wurden diese Abweichungen zu den Vorgaben der Altstadtsatzung gewährt, obwohl die übergeordneten Denkmalschutz-Behörden diese Abweichungen als nicht nachvollziehbar und „zu weit“ eingestuft haben. Die Altstadtsatzung wird durch diesen Präzedenzfall für Neubauten defacto außer Kraft gesetzt.

Die erforderlichen Rettungswege für die genehmigten Neubauten G-Straße 5 -7 sind in Teilen unzulässig bzw. nicht vorhanden (Überfahrt des Grundstücks 393/3 außerhalb des Geh- und Fahrrechts im Bereich der gemäß VwV-Feuerwehrflächen erforderlichen Einfahrtskurve).

Der B-Plan-Entwurf sieht Geschosswohnungsbau mit Tiefgaragen-Einfahrten vor. Dies ist Quartier-Untypisch und führt zu einer Verschiebung des Gebietscharakters vom Mischbezirk in Richtung reinem Wohngebiet.

Es ist keine energetische Erschließung des Quartiers an die Nahenergie-Versorgung im Parkhaus-West durch den B-Plan-Entwurf geplant. Somit wird die Chance vertan, das Quartier energietechnisch auf aktuellen Stand zu bringen.

Es ist keine verkehrstechnische Erschließung des Quartiers durch Parkhaus-West geplant, wodurch das gesamte Quartier Fischerhäuser-Vorstadt vom Verkehr entlastet würde.

Wir bitten daher nochmals um Berücksichtigung der Ihnen vorliegenden Ergebnisprotokolle der Infoveranstaltung der Nachbarschaft am 9. Juli 2020, sowie der von uns vorgetragenen Punkte bei der Besprechung im Bauamt am 31.7.2020.

Hier geht es zum Protokoll der Infoveranstaltung für Anwohner der Fischerhäuser Vorstadt und hier zur Präsentation über die Entwicklung des Quartiers.

Zusammenfassend ist das Ergebnis, dass die Eigentümer und Bewohner des Quartiers, wie auch vom Gestaltungsbeirat vorgeschlagen, einen alternativen Bebauungsplanentwurf wünschen, mit deutlich geringerer Ausnutzung, geringeren Gebäudehöhen und -größen, geringerer Gebäudedichte, mehr Freiflächen und durchmischten Nutzungsmöglichkeiten.

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